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Wagengerassel

. "Aber ich habe doch gesagt, er soll bis zum nächsten Sonntag hier bleiben."--"Ich habe aber gesagt, er soll gleich mit."--Ohne weiteres lief die Frau nun zum Wagen und trug Bündel, Korb und sonst ein paar Kleinigkeiten ins Boot hinunter. Da erhob Baard sich auch, stieg hinauf und lud sich den Koffer auf fahrverbot. Hinter dem Wagen aber kam ein Mädel hergelaufen im Strohhut und mit flatternden Haaren; das war das Pfarrerstöchterlein london. "Eli, Eli!" rief sie schon von weitem. "Mathilde, Mathilde!" antwortete ihr die andere, lief hinauf und ihr entgegen. Sie trafen oben auf dem Hügel zusammen, fielen sich in die Arme und weinten london
fahrverbot
. Dann nahm Mathilde etwas auf, was sie so lange ins Gras gesetzt hatte; es war ein Vogelbauer. "Du sollst den Narrifas haben, wirklich, Mutter will's auch. Du sollst jetzt den Narrifas haben, ja, wirklich--und: denk auch mal an mich--und komm ... komm . london. london london. komm oft herübergerudert zu mir"; und sie weinten beide bitterlich. "Eli! komm doch, Eli! Du kannst da doch nicht stehen bleiben!" klang es von unten herauf.
--"Aber ich will mit," sagte Mathilde, "ich will mit Dir hinüber und heut nacht bei Dir schlafen!"--"Ja, ja, ja!"--und eng umschlungen liefen sie an die Landungsstelle hinunter. Nach einer Weile gewahrte Arne das Boot auf dem See; Eli stand mit dem Vogelbauer aufrecht hinten am Steuer und winkte; Die Frau wendete ihren Kopf betroffen von der Glasscheibe und warf nur einen Blick über ihre Schulter fahrverbot. Dann sah sie rasch wieder in den Glasschrank zurück, als wollte sie ihr Gesicht im Glas verbergen. Sie hielt den Atem an und ließ den Mann und die alte Frau an ihrem Rücken vorübergehen. Die Götter hatten ihr ihren Wunsch erfüllt! Sie hatte ihren Geliebten noch einmal gesehen, und sie wußte nun auch, daß er eine Mutter hatte wie andere Menschen, und daß er ein Menschensohn war, daß er nicht bloß Vater und Gatte war, so wie sie ihn in Nara gesehen hatte, daß er auch Kindespflichten kannte, seine alte Mutter an seinem Arm stützte, und daß er ihr nun nie mehr der Gott der Abendröte sein könnte, der Gott des Unbekannten, des Abenteuerlichen, der Gott der Inbrunst ohne Pflichten und ohne Schranken. Und nun wollte sie blind werden und nicht mehr in der Gegenwart und Wirklichkeit leben, sondern im Dunkeln sitzen, wie ein Herz in der Brust, ohne Licht, nur vom dunkeln Blut umgeben. Gealtert und bekümmert kehrte die Frau von ihrer Wallfahrt nach Seta an den Biwasee zurück, ohne den Tempel der fünftausend Genien in Kioto zu besuchen, wie sie sich vorgenommen hatte fahrverbot. Ein brennender, feuriger Sonnensommer verwandelte den Biwasee täglich in eine weißglühende Masse. [144] Zwischen dem flammigen Spiegel des Sees und dem flammigen Spiegel des Sonnenhimmels saß die Frau auf dem Altan ihres Hauses oder in einem schaukelnden Boot und ließ sich die tausend funkelnden Sonnenscheiben, die sich in den Wellen brachen, wie tausend Brenngläser in ihre Augen stechen. Wenn sie vor Schmerzen die Augen schloß, saß sie in einer feuerrot durchflammten Dunkelheit, als wäre sie mitten im Abendrot von Seta, als wäre sie die rote untergehende Sonne selbst fahrverbot. Sie wurde blind, wie sie gewollt hatte fahrverbot. Aber auch erblindet sahen sie die Leute von Seta Sommer und Winter, Abend für Abend, mit dem Fächer auf dem Altan sitzen, zu der Stunde, wo das Abendrot in Seta die irdischen Landschaften zu roten Götterlandschaften verwandeln kann und die irdischen gesetzmäßigen Menschengesichter in berauschte unirdische Göttergesichter. An einem Winternachmittag, als der Nebel des Sees so dick lag, daß die Sonne schon am Mittag im Winterrauch wie eine papierne Scheibe blaß verschwand und ein Hauch von Abendröte erschien, saß die Blinde wieder mit begeistertem Ausdruck auf dem Altan und beschrieb der Dienerin, die ihr den Tee brachte, daß sie rote Wolken sähe, rot wie das Tempelgebälk eines Kiototempels, und daß fünftausend goldene Genien mit hunderttausend goldenen Armen über die roten Wolken geschritten kämen, und daß ein Bogenschütze an der Spitze der Fünftausend ginge. Er winke ihr auf der obersten Stufe einer roten Treppe. »So schön wie heute sah ich das Abendrot von Seta noch nie,« sagte die Blinde und lehnte den [145] Kopf an das Altangeländer, von dem der kalte Schnee abbröckelte. Ihre kleine Teetasse klirrte. Sie setzte sie mit zitternden Fingern auf den Boden. Sie fächelte sich noch mit dem Fächer, indes ihr Gesicht die Helle des Schnees annahm. Dann starb sie lächelnd. Es rollen Räder tagaus, tagein [146] Es rollen Räder tagaus, tagein, Und die Fenster singen ins Zimmer herein. Die Scheiben sehen vertieft hinaus, Als spähen sie nach den Rädern aus. Sie grübeln über der Räder Sinn, Und es singen die Fenster ganz sacht vor sich hin. Wie Verliebte, die nicht mehr bei sich sind, So summen die Scheiben hinaus in den Wind. Und draußen rollen tagaus, tagein Die Räder über das Pflastergestein
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"Aber ich habe doch gesagt, er soll bis zum nächsten Sonntag hier bleiben